Auf halber Strecke zwischen Kuscheltuch und Rheumadecke

Archiv für Juni, 2011

Wochenende

Am Freitag hatte ich, sehr kurzfristig, einen Termin bei meiner Psychotherapeutin. Es hat mir sehr gut getan, mit ihr über die Dinge, die mich zur Zeit so bewegen, zu sprechen. Danach sehe ich wieder etwas klarer….

Nur was mich masslos auf die Palme bringen kann, wenn ER mir kurzzeitig den Boden unter den Füssen wegzieht mit unbedachten Äußerungen. Das verletzt und ist soo unnötig. MÄNNER…..

Advertisements

Selbstwert, eigene Wertigkeit und Selbstbewusstsein

Mein eigenes Selbstwertgefühl ist nicht sonderlich gut ausgeprägt – das musste ich in der letzten Zeit feststellen. Besonders meinem Körper gegenüber. Diese Gedanken und Gefühle wurden bisher immer fein säuberlich von mir ausgeklammert, ich will mich ja nicht so wichtig nehmen. Meinen Körper nicht wichtig nehmen. Klar, Sport ist wichtig und auch gut für mich – aber gemacht habe ich es hauptsächlich deshalb, weil es mich wahnsinnig nervt, wenn ich beim Laufen von 15 Treppenstufen schnaufe wie ein Walross. Und weil es mir peinlich ist, immer so kurzatmig überall zu erscheinen. Aber wie sieht es sonst mit meinem Körperbewusstsein aus? Was bin ich mir wert? Was bin ich wert?

Viele Fragen, die ich zur Zeit für mich aufdröseln muss. Erlebnisse und Ereignisse aus meinem bisherigen Leben spielen da mit Sicherheit eine große Rolle. Wie bewerte ich die Dinge, die mich immer wieder verfolgen, die immer wieder hochkommen und mich in den Rückzug drängen? Kann ich verzeihen? Kann ich damit umgehen lernen? Inwieweit sind diese Dinge ursächlich an meiner Adipositas?

Natürlich kann und werde ich niemand anderem die alleinige Schuld an meinen Problemen geben – denn gegessen habe ich immer selber, da stand keiner hinter mir und hat gesagt, du musst das jetzt Essen – dort hatte ich immer die Wahl. Doch warum ist diese Wahl oft genug falsch ausgefallen?

Jetzt fange ich an kleine Dinge zu ändern: morgens wird drauf geachtet, das ich einigermaßen nett aussehe und der Schlampenlook ist passe (was nicht heisst, das ich nicht in der Jogginghose herum laufe) zerschlissene Kleidung wird mit und mit ersetzt – teils durch eigen genähte Stücke, teils gekaufte Kleidung. Ich werde einen Termin bei der Fußpflege machen. Und die Fingernägel werden wieder gezüchtet und lackiert – das beste Mittel gegen abgeknabberte Fingernägel. Und dann sehen wir weiter…..

Zuviel und zuwenig

Heute war ich wieder bei der Ernährungsberatung. Sie hatte anhand des Essensprotokoll über eine Woche, detailliert meine Nährstoffmengen aufgelistet. Und auch ihre Bewertungen dahinter.

Ich muss sagen, ich muss dran arbeiten….Fettanteil ist zu hoch, genauso wie der Zuckeranteil *seufz* – dadurch natürlich die Kalorienzahl viel zu hoch.

Eiweißzufuhr ist super *freu* Vitamine, Mineralstoffe ebenfalls. Nur zuwenig Jod auf dem Speiseplan – also mehr Seefisch essen.

Die Tipps, die mir die Beraterin gegeben hat, sind gut umzusetzen und ich weiß jetzt wieder ganz gut, wo ich was drehen muss, ohne auf den Genuss zu verzichten. Die Ernährungsberatung läuft ja unter der Prämisse des geplanten Sleeves und der Ernährung hinterher. Und da wäre es schön doof, wenn ich mir diese Chance durch eine falsche Ernährung versaue.

Ich möchte schon vor der OP einige Kilos los werden – meine Vorstellung wären so 10 – 15 kg, aber es ist sehr schwierig, da mein Kopf manchmal nicht so mitspielt und den Schweinehund gewinnen lässt.

Auf der einen Seite habe ich total resigniert und denke, es bringt ja sowieso nichts vor der OP abzunehmen, auf der anderen Seite weiß ich ja, das jedes Kilo weniger mein Risiko bei der OP senkt und ich es hinterher einfacher habe, wieder auf die Füße zu kommen.

Im Moment passiert ganz viel in meinem Kopf und in meinem Essverhalten, ich reflektiere mich viel mehr. Auch Ursachenforschung betreibe ich – denn immer wieder esse ich gegen ein Gefühl der Leere an. Leere durch immerwährenden Kampf um Annerkennung meines Ichs bei meinen Eltern.

Mit meinen Eltern habe ich derzeit keinen Kontakt – meine Gedanken zu dem Geschehenen mit meiner ‚Tochter wurden einfach nicht wahrgenommen und als unnütz und überflüssig bezeichnet. Es schmerzt im Bauch – wieder mal. Wieder mal keine Wertschätzung meiner Gefühle – wie lange kann ich das noch so hinnehmen…wie immer reagiere ich mit Rückzug….

Erstgespräch

Gestern war das Gespräch mit Dr. Schlensak. Ich fühlte mich kompetent beraten und sehr ernst genommen. Er meinte, das es für mich mit meinem hohem BMI nur der Schlauchmagen in Betracht kommen kann. Alles anderes wäre ein zu hohes Risiko – wobei auch der Schlauchmagen eine große Operation ist. Natürlich muss er auf die Risiken hinweisen – die auch nicht zu vernachlässigen sind – immerhin versterben 2 % der Patienten bei der OP. Aber 98 % der Operierten überleben. Ich will positiv denken!

Soweit war er mit allem einverstanden, was ich bereits angeleiert habe und empfahl mir, doch eine SHG zu besuchen *seufz* ich habe es einfach nicht mit solchen Veranstaltungen – aber es wird ja nur eine begrenzte Zeit sein und vielleicht ist es ja auch interessant.

In der Uniklinik in Bonn habe ich tatsächlich einen Termin bei einem Endokrinologen bekommen, sogar schon Anfang Juli!

Jetzt muss ich erstmal wieder Geduld üben – den Antrag will ich erst abschicken, wenn die Untersuchungsergebnisse der endokrinologischen Untersuchung da sind und vielleicht weiß ich dann auch endlich, was mit meiner Reha läuft (oder nicht läuft)…..

Toll wäre natürlich, die Reha würde noch genehmigt – dann würde ich sie ja vor der OP machen und damit fit und etwas leichter in die OP gehen – was das Operationsrisiko wieder senken würde!

Wird die Reha nicht genehmigt, werde ich den Antrag Ende Juli/ Anfang August abschicken und hoffen, das die OP genehmigt wird. Und danach werde ich eben einen neuen Rehaantrag stellen – dann werden sie, sie genehmigen müssen – die 4 Jahre sind rum und mit meinen Beeinträchtigungen steht mir eine medizinische Reha zu.

ER meint ich soll aufhören mir soviele Gedanken und Sorgen zu machen, über alles und jede Kleinigkeit nachzugrübeln. Er hat ja recht, also werde ich mich meinem neuem Hobby widmen: Ich habe das Nähen für mich entdeckt! Wieder entdeckt!

Als Jugendliche hatte ich in der Schule einen Nähmaschinenkurs und von meiner Mutter habe ich mir vieles im Laufe der Jahre abgeschaut – aber bisher hat es mich nicht interessiert….Aber nachdem ich für meine Kleine einige Kissen und Gardienen genäht hatte und innerhalb kurzer Zeit zwei Hosen von mir das Zeitliche gesegnet haben, dachte ich, versuch es doch einfach – die Nähutensilien habe ich ja alle. Also habe ich einen sehr schönen, aber super günstigen Jeansstoff gekauft und einen einfachen Burdaschnitt ausgesucht und – voila – meine erste selbstgenähte Hose ist fertig und für gut befunden! Sie passt sogar – wie angegossen! Selbst das Problem mit meinen unterschiedlich dicken Waden sieht man in dieser Hose nicht, da ich die Hosenbeine etwas weiter gemacht habe, als es im Schnitt vorgesehen war.  Eine Tunika wartet nur noch auf das Umnähen vom Saum und  ich schon einen weiteren Jeansstoff und einen Jerseystoff auf Halde liegen – für eine weitere Hose und ein Shirt. Heute habe ich mir einen Schnitt für eine weite Jacke ohne Knöpfe bestellt – jetzt suche ich nur noch einen passenden Stoff dazu, es soll was edleres sein – für eine Hochzeit geeignet, aber nicht teuer….