Auf halber Strecke zwischen Kuscheltuch und Rheumadecke

Nachtdienst

Durch Ulf *klick* wurde ich mal wieder an die unliebsamen Dinge meines Berufes erinnert….ich habe Nachtdienste gehasst.

Im Frühjahr und Sommer waren sie erträglicher – es war spät dunkel und früh wieder hell. Im Winter aber, bin immer gegen 7:30 Uhr ins Bett und zwischen 13:00 und 14 Uhr wieder auf, dann waren es noch 1, 5 bis 2 Stunden mäßig hell und die ganze dunkle Nacht lag noch vor einem.

Den Dienst immer allein durchzuziehen empfand ich als besonders belastend – keine Kollegin zum Austauschen oder zur Hilfe.

Besonders beliebt war immer der Unterzucker einer insulinpflichtigen Bewohnerin beim ersten Rundgang um 20:30 Uhr – man kommt ins Zimmer der dementen Frau und trotz freundlichem „Guten Abend“ erfolgt keine Reaktion, hmm…schläft sie schon…ui, schlaffer Muskeltonus und die Haut ist schwitzig-kalt, schnell BZ-Gerät und Traubenzucker vom Wagen geholt. Der BZ ist unterirdisch, erst mal Traubenzucker in ein bischen Wasser aufgelöst und ihr Teelöffelweise verabreicht…..oh, sie schluckt…nochmal… „Fr. S. “ …..“Hallo“…..die Bew. grunzt mal….ich verabreiche ihr weiter die Glucose, die sie bis dahin brav schluckt…..nach einer halben Stunde macht sie endlich wieder die Augen auf….“Hallo, meine Liebe, da sind sie ja wieder“ ….Sie: „Wieso ich war doch gar nicht weg“…..Jetzt wären eigentlich ein paar längeranhaltende Kohlenhydrate für Frau S. wichtig, aber sie will nicht essen. ….“Lass mich in Ruhe, ich hab doch keinen Hunger“ …auch gutes Zureden hilft jetzt nicht…ich versuche es etwas später mal mit Banane, der BZ ist gerade wieder im physiologischem Bereich….

Die ganze Aktion hat fast eine Stunde gedauert, in dieser Zeit war dann keiner nach den anderen Bewohnern schauen, keiner der Frau A. auf die Toilette helfen konnte, also hat sie im Bett laufen lassen. Frau M. ist vor dem Fernseher im Sessel eingeschlafen und dank Schlafmittel auch schwer zu bewegen ins Bett zu gehen. Herr M. klingelte schon nach seinen Tabletten, hab ich zwischendurch schnell mal gebracht. Fr. K. ruft auch schon lautstark, sie sieht wieder den lieben Gott. Alles arbeite ich nacheinander ab und besuche auch, wie immer beim ersten Rundgang , alle anderen Bewohner und wünsche eine gute Nacht. Aber im Hinterkopf habe ich immer noch Frau S., die eben nichts essen wollte und der BZ so gerade im annehmbaren Bereich…was ist, wenn sie wieder abgesackt ist und wieder im Unterzucker….ich bin unruhig. Trotzdem dauert es, bis ich alle versorgt und zufrieden habe. Ich komme bei Frau S. ans Zimmer…wie immer wenn ich Angst habe, öffne ich die Türe ganz langsam…..es ist dunkel im Zimmer….da schnarrt es mir entgegen….“Wo bleibst du denn? Ich habe den ganzen Tag nix zu essen bekommen, ich hab so einen Hunger, mach mir mal schnell ein Butterbrot“….sie verputzt es rasend schnell und bin für die Nacht sehr beruhigt…..

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