Auf halber Strecke zwischen Kuscheltuch und Rheumadecke

Aneurysma

Heute ist dieses Wort mal wieder begegnet. Sofort kommen Gedanken und Erinnerungen wieder hoch ….an meinen kleinen Bruder. Ich war 19 und er 12 Jahre. Seit einigen Monaten wohnte ich schon nicht mehr bei meinen Eltern, dadurch hatte sich das Verhältnis zu meinem Bruder entspannt und wir waren gern zusammen.

So sollte es auch den Samstag im September 1991 sein. Geplant war, das er erst Fußball spielen geht in W., dann zu mir kommt und wir irgendwas unternehmen. Unsere Eltern waren unterwegs irgendwo in Köln mit einem Verein. Bevor er nach W. mit dem Fahrrad fuhr, kam S. noch zu mir um mir seine Halskette und seine Armbanduhr zu bringen, damit er sie nicht beim Fußball spielen verliert.

Es war das letzte Mal, das ich mit ihm sprach.

Ich hatte es mir Zuhause gemütlich gemacht und wartete auf S. Stattdessen rief mich eine Freundin an und wollte wissen, wo denn meine Eltern seien, ich hatte da schon ein merkwürdiges Gefühl. Später rief sie nochmal an und sagt mir, das S. auf dem Fußballplatz zusammengebrochen wäre und auf dem Weg ins Krankenhaus wäre.

Sofort bin ich ins Auto und nach W. ins Krankenhaus, dort sagte man mir nach einiger Zeit, das es nicht gut aussehe, er hätte Wiederbelebt werden müssen und würde nun nach M. in die Neurochirugie verlegt – per Hubschrauber.

Also irgendwie versucht, meine Eltern zu erreichen – damals gab es noch keine Handys für jedermann. Irgendwie hat jemand vom Verein sie erreichen können…

Mein Schwager hat mich dann nach M. gefahren, ich war dazu nicht in der Lage. Und dann habe ich Stunden im Flur gesessen oder nur ein paar Minuten, ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall kamen meine Eltern irgendwann und wir konnten zu meinem Bruder. Er lag auf der Neurochirurgischen Intensivstation des Krankenhauses. Mit allem versorgt was zum Weiterleben nötig war inkl. Beatmung.

Endlich sprach ein Arzt mit mir und ich erhielt die Diagnose geplatztes Hirnaneurysma – wo genau, weiß ich gar nicht mehr- nur das er massive Blutungen hatte und davon auszugehen sei, das er nicht mehr erwachen würde.

Sonntags sind meine Eltern, ich und mein Mann wieder ins Krankenhaus. Dort bewahrheitete sich die Diagnose. S. war klinisch tot, keine Hirnaktivitäten feststellbar.

Nie werde ich den Schrei meiner Mutter vergessen…..

Alles war erstarrt, die Welt musste doch stehen bleiben, meine Eltern haben ihr Kind verloren und ich meinen Bruder ……

Aber die Welt hat sich weitergedreht, an die Beerdigung habe ich nur schemenhafte Erinnerungen. Es sind dieses Jahr 19 Jahre vergangen, ich habe mehr Zeit ohne meinen Bruder verbracht als mit ihm Und trotzdem fehlt er mir immer wieder….es sind noch nicht mal irgenwelche Feiertage oder so, sondern Begebenheiten wie ein Fototermin mit meinen Cousins und Cousinen oder wenn mein Mann sich mit seinen Geschwistern uneins ist.

Meist denke ich gar nicht daran, aber manchmal genügt ein Wort oder ein Bild um an alles zu Denken, dann bin ich traurig und fühle ein riesiges Bedauern, das meine Mädchen ihren Onkel nie kennenlernen durften. Sie hätten viel Spaß mit ihm gehabt……

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: